Die Geschichte von der freien Arztwahl…

Es war einmal, gar nicht vor allzu langer Zeit, da schrieb unsere Heimatzeitung hier im Kreis, das es in den nächsten Jahren mit der Arztversorgung bei uns in der ländlichen Region in den kommenden Jahren eng werden könnte. Bei vielen Praxen sind Ärzte im Dienst die ins Rentenalter kommen oder schon drüber sind und mangels Nachfolger einfach weitermachen.

Schnipp. Zurück in die Echtzeit.

Bei mir stand ein Arztwechsel an. Zuviel lief bei meiner damaligen Hausärztin nicht zu meiner Zufriedenheit. Auch Ärzte können mal Krank werden, aber irgendwie passierte das immer, wenn ich sie mal brauchte und wenn doch mal ein Termin zu Stande kam, kam nicht viel rum. Ich merkte das immer mehr bergab geht und was macht ein Fußballverein, wenn diese auf dem Abstiegsplatz stehen? Er wechselt den Trainer aus. Also beschloss ich einen neuen Hausarzt zu suchen.

Eigentlich haben wir ja hier in Deutschland die freie Arztwahl. Passt einem die Nase des Medizinmanns nicht, hat man das Gefühl das etwas nicht so läuft wie es sollte oder zweifelt man an der Diagnose, kann man sich eine zweite Meinung einholen oder den Arzt wechseln. Bei etwas mehr als einem Dutzend Hausärzten rund um die Kleinstadt mit nicht ganz 19000 Einwohnern in der ich lebe, sollte das ja kein Problem sein.

Doch, es ist ein Problem. Bei 10 Praxen bekam ich direkt eine Absage. Das Boot ist voll, wir schaffen es nicht mehr, wir nehmen derzeit keine neuen Patienten auf. Bei einem bekam ich einen makabren Termin für Juni – also mit 16 Wochen Vorlauf – unter dem Vorbehalt das von seinen vielen alten Patienten ein paar ins Gras beißen und so ein Platz für mich frei würde. Bei einer weiteren Praxis schafften die drei Ärzte die Arbeit nicht mehr, zudem würde einer der drei Ärzte in Rente gehen.

Ziemlich schnell ist man da am Ende der Fahnenstange. Und ein Hausarzt weit außerhalb, wie es mir bei einigen Fachärzten geht, macht hier kein Sinn.

Es war eigentlich mehr der Einsatz der Pflegeschwester meiner Mutter, die bei einem mir unbekannten Arzt anrief: Mit Erfolg. Zwar geht der Seniorarzt im Juni auch in Rente, dafür ist ein jungen Mediziner in den Startlöchern, der sehr engagiert an die Sache rangeht.

Was läuft falsch bei dem System?

Die Probleme sind vielfältig. Schon heute hat es in einigen kleineren Gemeinden hier in der Umgebung keine Hausarztpraxis vor Ort mehr. Und da die Leute einen Arzt brauchen, geht es dann in die Stadt, wo man ohnehin schon einkaufen geht und teilweise Behördengänge erledigen muss. Und ruckzuck ist das Boot voll.

Hausarzt lohnt sich für viele Ärzte nicht wirklich. Wer will schon einen Job mit quasi 360 Tage-Dienst rund um die Uhr mit mieser Bezahlung? Wer sowas sucht, wird Hausarzt. Nicht das die Hausärzte am Hungertuch nagen, aber irgendwo sind diese am untersten Ende der Kette angekommen. Wer will da noch Hausarzt werden, wenn er als Facharzt geregeltere Arbeitszeiten hat und dazu auf diverse Wege mehr Geld verdienen kann. Wer besonders kreativ ist, wird Privatarzt und rechnet den dreifachen Gebührensatz ab, bei der Hälfte der Patientenzahl und hat immer noch sein gutes Auskommen.

Und – das ist wohl das größte Manko – es gibt keine wirklich effektive Reglementierung, wo die Ärzte hingehen. Ich hatte nach dem Abi die Chance zur Polizei zu gehen, da wurde mir direkt gesagt: „Mach Dir keine Hoffnung, dass Du in der Nähe deiner Heimat eingesetzt wirst.“ Bei einem Arzt gibt es sowas in dem Arzt nicht. Und ehe ein Arzt in die Pampa geht, spezifiziert er eher ein Fachgebiet oder heuert bei einem Arzt bei sich vor Ort an, in der Hoffnung, da und nicht wo es eigentlich gebraucht würde die Praxis zu übernehmen.

Wie sagte es die Heimatzeitung noch mal in ein paar Jahren könnte es eng werden. Es ist heute schon Eng. Wenn Dir in 10 von 12 Praxen gesagt wird, dass diese keine neuen Patienten mehr aufnimmt, dann ist schon heute die freie Arztwahl ad Absurdum geführt. Und dies wird noch schlimmer werden, wenn in den nächsten 10, 15, 20 Jahren die Hälfte der Praxen aus Altergründen und/oder mangels Nachfolger schließen werden.

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